Sonntag, 31. Dezember 2017

Juan Carlos

Wie geplant, sind wir gestern mit Sicht auf Juan Carlos aufgewacht und ankern seither in der Bucht. An Land durften wir bisher noch nicht, und dementsprechend gibt es wenig Aufregendes zu berichten. Daher heute nur ein paar Eindrücke von  der wunderschönen Umgebung.
Juan Carlos


Blick aus meinem Fenster




Mein Schlafgemach
Der Plan sieht vor, heute nachmittag bis abend in Richtung Deception aufzubrechen, so dass wir vermutlich die traditionellen spanischen "12 uvas" zum Start ins neue Jahr noch auf dem Schiff zu uns nehmen werden und dann bald unsere neue Heimat für einen Monat beziehen können. Vorher müssen wir jedoch erst noch das "Volcano protocol" erfüllen, was bedeutet, dass vor dem Betreten die Insel auf seismische Aktivitäten überprüft werden muss. Dazu wird die gesamte Insel einmal komplett umrundet, um grobe Veränderungen festzustellen, danach geht zuerst ein Seismologe mit dem Stationschef an Land und liest die Sensoren aus. Erst wenn die beiden grünes Licht geben, wird mit der Entladung des Schiffes begonnen und wir können unsere (wohl sehr kleinen) 4-Bett-Zimmer beziehen. Berichte dazu folgen.

P.S. Die nächsten Bilder gibt es, wenn ich Kommentare und Grüsse aus der Heimat lese 😜




Freitag, 29. Dezember 2017

Ankunft in der Antarktis

Der zweite Seetag auf der Hesperides neigt sich dem Ende zu und in wenigen Stunden werden wir unseren ersten Zwischenstop, Livingston Island, erreichen. Hier brauchen wir etwa 2 Tage, um Cargo für die dortige spanische Station zu entladen, bevor es dann in einer etwa 3-stündigen Fahrt weiter nach Deception Island geht. Die Drake war äußerst gnädig zu uns und beschaffte und eine ruhige und entspannte Überfahrt bei wenig Wellengang. Trotzdem ist in den letzten zwei Tagen nicht viel Aufregendes passiert, wir haben die meiste Zeit mit schlafen, Musik hören, lesen und ab und an ein wenig arbeiten verbracht. Bis uns heute Nachmittag die Antarktis ihr erstes Begrüßungskomitee entgegen schickte:

Unser erster Eisberg tauchte im Nebel auf, und mit ihm gleich mehrere Wale, Pinguine und die typischen Verfolger unseres Schiffes, Riesensturmvögel, Kapsturmvögel und Alabtrosse.



In wenigen Stunden erwarten wir also das erste Land zu sehen und hoffen, dass wir bei unserer ersten Anlandung auch mal für einige Minuten von Bord kommen, um uns die Station auf Livingston anzuschauen.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Nachtrag zur Anreise

Wir haben tatsächlich gestern ein echt super Lokal fürs Abendessen gefunden, wo ich den besten Lomito ever gegessen habe. Heute morgen sind wir dann nach dem Auschecken aus dem Hostel aufs Schiff gegangen (nachdem wir dem Taxifahrer begreiflich machen konnten, dass wir zum Hafen ohne "Flug-" wollen...), wo entgegen allen Erwartungen von der Liste der Passagiere bis hin zum Ausreisestempel alles reibungslosfunktioniert hat. Wir konnten unsere Kajüten beziehen (ich wohne mit der BBC-Filmerin zusammen, während Osama eine 2-er Kajüte mit beiden (!) BBClern teilt) und haben eine nette Führung durch das Schiff bekommen. Da es ein Forschungsschiff ist, gibt es ein großes Labor inklusive Radioaktivem Bereich. Ich denke, wir werden uns wohlfühlen, besonders, da eine sehr ruhige Drake mit max. 2.5 m Wellenhöhe angesagt ist. Nachdem wir erst die Station auf Livingston Island anlaufen und eröffnen, planen wir am 31.12. auf unserer Station anzukommen.

Wer uns verfolgen will, kann das (vermutlich) hier tun:
Hesperides auf MArinetraffic

Dienstag, 26. Dezember 2017

Anreise

Pünktlich zum Weihnachtsfest machten wir uns auf den Weg in Richtung Süden. Und um dem auch gerecht zu werden, hieß unser erster Stop Buenos Aires - Hochsommer, 30°, blauer Himmel. Bis hierher war alles problemlos gelaufen, die größte Aufregung war eine kurze Nachfrage -wie erwartet- zu unseren Drohnenakkus mit anschließendem Sprengstofftest - also für unsere Verhältnisse eine problemlose Reise.


In Buenos Aires kamen wir nach einem kurzen Zwischenstop in Sao Paulo nach etwa 15 h Flugdauer erschöpft und verspannt an, beschlossen aber dennoch, uns nach einer kurzen Verschnaufpause im Hostel noch ein wenig umzusehen - neben verschiedenen Sehenswürdigkeiten lockte vorallem der Nationalpark im ehemaligen Hafengelände mit dem Versprechen Osamas, dort Kolibris zu finden. In feinster Touristenmanier schulterten wir also die Kameras und liefen los. Das Deutschland-Kontrastprogramm-Wetter hätte man natürlich beachten können, aber was sollte schon passieren. Es ging also los, vorbei an Kirchen, Theatern, verschiedenen Teilen der Universität, Regierungsgebäuden und Denkmälern, vor allem aber immer wieder kleinen Parks mit tropischen Bäumen und Papageien.






Als wir im Hafenviertel ankamen, plagte Teile der Reisegruppe schon der erste Heißhunger, dessen Stillung sich aufgrund des Feiertages jedoch schwierig gestaltete. Man (frau) musste daher mit einem Eis vorlieb nehmen, was jedoch die Laune deutlich anhob. Wieder mit gesundem Blutzuckerspiegel ging es weiter gen Nationalpark. Hier erwartete uns ein großes Familien- und Volksfest, die Uferpromenade war reichlich bevölkert und die südamerikanische Lebensfreude schlug uns von allen Seiten entgegen (und außerdem diverse Kiosks mit Köstlichkeiten - aber das nur am Rande). Die Promenade entlangschlendernd konnten wir auf dem teilweise verlandenden Hafenbecken bereits einige ornithologische Funde ablichten und freuten uns so umso mehr auf die noch erwarteten Sichtungen (Kolibris!!)





Umso größer war dann jedoch die Enttäuschung, als wir am Parkeingang vor verschlossenen Toren standen und feststellten, dass uns der Ruhetag in die Quere kam. Wir stellten auch langsam fest, dass das stundenlange laufen bei stickigen und heißen Luftverhältnissen doch etwas anstrengender wurde als gedacht und Arme und Gesichter mittlerweile einen deutlichen Rotton aufwiesen. Wir beschlossen also unseren Plan vom weiteren Sightseeing abzuändern, und uns eines der zahlreichen Taxis zu schnappen, um damit zum Cementerio de Recoleta, unserem letzten Sightseeinghighlight zu fahren, von wo aus wir uns einen kurzen und mit Option für ein Abendessen gespickten ausmalten. Leider gestaltete sich dieser Plan schwierig, da Taxis zwar zahlreich, jedoch fast ausschließlich zum Privatvergnügen vor Ort waren. So liefen wir nach einiger Wartezeit (erwähnte ich die knallende Sonne?) den langen Weg in Richtung Hostel zurück. Als wir gerade unseren Plan vom entspannten Heimweg aufgeben wollten, konnte Osama doch noch ein Taxi stoppen und wir stiegen ein und fuhren wie geplant zum Friedhof - nur um dort festzustellen, dass auch dieser Ruhetag hatte. So wurde auch aus dieser Besichtigung nichts, was uns aber nicht allzu schwer fiel, da nun doch ein deutliches Verlangen nach Abendessen aufkam. Wir liefen also los in Richtung Hostel und fanden auch nach wenigen Metern ein gemütliches italienisches Restaurant, welches wir jedoch in Erwartung größerer Auswahl ("Wir müssen ja nicht gleich das Erstbeste nehmen") links liegen ließen...
Unsere geschundenen Füße mussten von dort aus noch etwa eine dreiviertel Stunde laufen, bis die nächste Möglichkeit zur Einkehr auftauchte, die wir dann auch ergriffen. Hier belohnten wir uns für die Anstrengungen mit Burgern, Bier und einer großartige Minze-Ingwer-Limonade, die alle Schmerzen vergessen ließ.

Nach dem Essen ging es nur noch in die Dusche und ins Bett, schließlich hieß es am nächsten morgen 5:00 Abfahrt zum Flughafen.
Nach einer erholsamen Nacht in der Horizontalen mussten wir früh jedoch erst einmal feststellen, dass unser Taxi auf 5 Uhr Nachmittags bestellt war. Doch zum Glück kam das eilig nachbestellte Taxi schnell an und fuhr uns in südamerikanischer Manier noch schneller zum Flughafen. So erreichten wir wieder problemlos unseren Flug (auch hier nahezu keine Kontrolle...) und kamen gegen 11:30 Ortszeit in Ushuaia an. Das Taxi brachte uns zu unserem sehr gemütlichen Hostel (mit Doppelbett...) und hier sitzen wir nun und bereiten uns mental auf die anstehende Schifffahrt vor. Bei einem kurzen Stadtspaziergang konnten wir bereits einen Blick auf unser Vehikel werfen (nein, nicht das weiße...) und hoffen nun, dass wir morgen problemlos auf das Schiff steigen können und uns eine ruhige Drake erwartet.

Damit verabschiede ich mich fürs erste in die offline-Welt und hoffe in 3-4 Tagen von der Station aus weiter berichten zu können!