Was wir hier eigentlich machen

Drohnen, oder wie wir sie nennen UAVs (unmanned aerial vehicles), erfreuen sich weltweit steigender Beliebtheit Dabei geht es um kleine ferngesteuerte Fluggeräte, die sowohl als Hobby von Privatpersonen als auch als Arbeitsgerät für Filmcrews und Dokumentarfilmer Verwendung finden. Doch auch die Wissenschaft entdeckt mehr und mehr die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte. Vor dieser Entwicklung machen auch abgelegene Gebiete wie die Antarktis nicht halt. Ganz im Gegenteil, gerade hier, wo es noch viele unerreichte und damit unerfoschte Ecken gibt, eröffnen Drohnen neue Möglichkeiten. So versucht beispielsweise unsere Arbeitsgruppe, Pinguinkolonien mithilfe von Drohnen (und langfristig mit Satelliten) zu erforschen. So könnte man Kolonien, die zu weit von Stationen entfernt sind, um sie per Fuß zu erreichen, oder die zu groß sind um sie manuell zu zählen, mit Hilfe einer Drohne überfliegen und verlässliche Aussagen über die Anzahl der Nester und Veränderungen innerhalb der Kolonie zu erhalten. Noch gibt es einiges zu tun, bis das möglich ist, denn die Unterscheidung der Arten oder von brütenden und nichtbrütenden Tieren ist nicht immer fehlerfrei möglich. Um diese Fragen dreht sich ein Teil unseres Projektes.

Drohne (Oktokopter) über Pinguinen

Blick auf die Pinguine von der Drohne

Neben all den Möglichkeiten, die durch die Verwendung von Drohnen entstehen, sollte man jedoch auch die Risiken in Betracht ziehen. Mit speziell dieser Frage beschäftige ich mich im Projekt. Ich möchte untersuchen, in welcher Flughöhe die Drohne von den Pinguinen (und anderen Arten) nicht mehr wahrgenommen wird oder sie nicht mehr aufregt. Dazu haben wir bereits in den letzten Saisons Untersuchungen an Adélie- und Eselspinguinen, Skuas, Robben und mehr gemacht. Aufgrund der geringen Brutpaarzahl auf King George Island konnten wir die Zügelpinguine bisher nicht untersuchen, das wollen wir in dieser Saison nachholen, denn auf Deception Island gibt es große Kolonien. Dabei sollen neben den Flügen auf unterschiedlichen Höhen auch der Einfluss des Starts, senkrechter Flüge direkt über den Tieren, und zum Vergleich der Einfluss von Menschen am Boden beobachtet werden. Ich nehme deshalb während der Experimente Videos auf, die ich dann zu Hause im Detail analysieren kann. Außerdem verpasse ich den Pinguinen sogenannte Dummy-Eier, also aus Pappmaché und Lack hergestellte Eier, die ein kleines Mikrophon enthalten. Damit kann ich während der Experimente auch den Herzschlag der Pinguine aufzeichnen und so Aufregung, die sich nicht im Verhalten zeigt, beobachten.


Manuelle Pinguinzählung am Boden

Einbringen der "Dummy-Eier" im Nest

Bisher konnten wir so einen gewissen Einfluss der Drohne feststellen, besonders unterhalb von etwa 30 m zeigen die Pinguine deutliche Reaktionen. Noch stärker sind die Reaktionen von Riesensturmvögeln, die bereits bei 160 m Nervosität zeigen, und von einigen Skuas, bei denen wir Attacken auf die Drohne beobachtet haben, selbst als die Drohne noch sehr weit vom Territorium entfernt war. Andererseits gab es auch Skuas, die sich selbst bei einer Drohne in geringer Entfernung nichts anmerken ließen. Ganz entspannt zeigen sich Robben, hier ist selbst in geringen Flughöhen meist kaum eine starke Reaktion zu beobachten – Ausnahmen bestätigen die Regel…
Mit all diesen Informationen hoffen wir irgendwann Richtlinien erstellen zu können, die dann bindend für Besucher der Antarktis den Einsatz von Drohnen regeln, also in welche Höhe und wo man fliegen darf – die Diskussionen dazu werden gerade in den verantwortlichen internationalen Institutionen geführt. Das Thema ist jedoch sehr komplex, da viele verschiedene Faktoren und Fragen auf den verschiedensten Ebenen hineinspielen: Ab welcher Reaktion von Tieren kann man wirklich von einer Störung mit Folgen für das Überleben der Tiere rechnen? Wie verändert sich die Reaktion im Laufe eines Brutzyklus? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Typen von Drohnen und unterschiedliche Flugschemen? Sollten Drohnenflüge in der Antarktis generell verboten werden, wenn sie nicht die Störung der Tiere vermindern (z.B. beim Ersetzen von stark störenden Bodenkartierungen)? Was passiert mit Drohnen, die durch einen Fehler abstürzen und damit potentiell umweltgefährdenden Müll verursachen?... Fragen gibt es also reichlich, und wir stehen erst am Anfang, sie zu beantworten.
Zusätzlich zu den Drohnenflügen für die Pinguinzählung und meinen Experimenten steht eine Bodenkartierung an, um verlässliche Vergleichsdaten zu erhalten, mit denen die Zähldaten aus den Drohnenflügen verifiziert werden. Das heißt, wir laufen die gesamte Kolonie mit GPS-Geräten ab und zählen jedes Nest. Das wird einige Tage in Anspruch nehmen.

Mit all diesen Aufgaben werden wir sicher gut beschäftigt sein, und wir sind natürlich gespannt auf weitere Ideen auch in Kooperation mit den spanischen Wissenschaftlern, die zu weiteren Projekten führen können.

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