Liebe Leute, es gibt viel zu berichten.
Wie geplant haben wir in einer sehr Karaoke-lastigen Feier
am 31.12. auf der Hespérides den Start des neuen Jahres gefeiert. Es gab,
traditionell, 12 Weintrauben, schräge Kostümierungen und jede Menge Schampus
(oder Bier).
Entsprechend träge, aber immerhin endlich mit Blick auf Deception
Island, begann der 1. Januar. Wir durften aber noch zwei weitere entspannte
(und ungeduldige) Tage auf dem Schiff verbringen, bis es am morgen des 3.
Januars endlich an Land ging. Bei schönstem Wetter konnten wir uns so lange auf
die kommende Umgebung einstellen.
1. Tag auf Deception Island.
Am 3. Januar ging es dann also von Bord. Wir bezogen unsere
kleine, gemütliche Station, bestehend aus einem Modul mit 4er-Zimmern (welches
ich mit Josabel, einer spanischen Pinguin-Biologin, Abi von BBC und Belén,
einer spanischen Vulkanologin teile) und einem Gemeinschaftsbad und in Verbindung
dazu einem gemütlichen Gemeinschaftsraum in dem auch gegessen und gekickert
wird. Weitere für uns in den nächsten Wochen regelmäßig genutzte Gebäude sind
das „Laboratory“, also das Wissenschaftlergebäude, in dem unser gesamtes Equipment
lagert, sowie die „Stinke-Tomate“, ein kleines Iglu-Gebäude, in dem unsere Arbeitskleidung
hängen wird.
Gleich nachdem die Zimmer bezogen waren und alles seinen
Platz gefunden hatte (und ich endlich meine Weihnachtsgeschenke auspacken
konnte:
... warf ich mich auch schon in die Arbeitskleidung und begleitete unsere
spanischen Kollegen auf ihrer Mission, Skuas, die letztes Jahr mit GLS-Loggern
ausgestattet worden waren, zu suchen. Auf unserer etwa 2-stündigen Runde in der
Stationsumgebung begegneten uns kaum Tiere, wir fanden nur ein einziges
Skuanest (natürlich ohne Logger), und sahen auch sonst kaum Zeichen von Leben.
Im Allgemeinen ist hier im Vergleich zu Fildes nur sehr wenig los, einige
Skuas, selten Möwen, noch weniger andere Vögel oder Robben. Auch botanisch sind
deutliche Unterschiede zu unserem sonstigen Untersuchungsgebiet zu sehen. Aber
immerhin hatten die Pflänzchen ja auch erst etwa 40 Jahre seit dem letzten
Vulkanausbruch Zeit, sich zu entwickeln.
2. Tag
Schon am 4. Januar brachen wir früh zur Pinguinkolonie auf
und durften das erste mal erleben, was uns nun in den nächsten Wochen nahezu
täglich erwarten würde: ein Fußweg von etwa einer Stunde über eine steile
Bergkette mit teilweise glatten oder sandig-rutschigen Passagen.
Völlig
verschwitzt, da viel zu warm angezogen, wurden wir für unsere Mühen zum ersten
mal von einem immer wieder spektakulärem Moment belohnt: hinter der letzten
Kuppe taucht plötzlich und mit die völlige Ruhe kontrastierendem ohrenbetäubenden
Lärm die Pinguinkolonie vor uns auf.
Dieser Anblick wird uns auch Tage später
immer wieder beeindrucken und macht jede Anstrengung vergessen. Aber noch sind
die Pinguine nicht erreicht: erst muss noch ein steiler Abhang überwunden
werden, teils im Geröll rutschend, teils Serpentinen laufend. Endlich unten
angekommen halten wir uns nicht lange auf und beginnen mit der Arbeit. Und tatsächlich
schaffen wir es bereits am ersten Tag unseren Kartierungsflug mit der Drohne
über der gesamten Kolonie abzuschließen und damit schon das erste Häkchen
hinter unsere Liste zu setzen. Danach beginnt die langwierige Arbeit der
Bodenzählung. Nach nervenaufreibenden Versuchen, beide GPS-Kartierungsgeräte in
Betrieb zu nehmen, beschließen wir schließlich, die Gruppen gemeinsam zu
kartieren (einer zählt, während der andere die Gruppe mit dem GPS umläuft), was
sich später auch als die bessere Variante herausstellt. So können wir schon am
ersten Tag etwa 5.200 Nester und damit schon fast die Größe von Ardley zählen,
bevor wir den langen Rückweg zur Station antreten.
3. Tag
Unseren zweiten Feldarbeitstag verbrachten wir damit, die
Pinguinzählung fortzusetzen. Besonders die zahlreichen sehr großen Gruppen mit
200 bis 2300 Nestern machen das zu einer sehr anstrengenden und ermüdenden
Arbeit. Aufgelockert wurde die Arbeit durch zwei besondere Funde: das Nest
eines Macaroni-Pinguins, und damit wahrscheinlich dem Erstnachweis als
Brutvogel in dieser Kolonie, sowie das Wiedersehen mit einer unserer
Fildes-Skuas, die 2013 auf Ardley gebrütet hat.
Eine weitere Großaufgabe des Tages bestand aus der „Mission
BBC“, die unter Mithilfe von 9 Trägern eine LKW-Ladung Equipment über die Berge
zur Kolonie brachten.
Abends erwartete uns dann ein kleines Highlight: das
spanische Fest der „heiligen 3 Könige“ – in Spanien traditionell so wichtig wie
Weihnachten. Kurz vor dem Abendessen fuhren die 3 (in dem Fall sogar 6…) Könige
Süßigkeiten werfend und unter lautem Applaus durch die Station. Danach gab es Abendessen
und eine kleine Party, die aber aufgrund der Müdigkeit der meisten
Stationsbewohner eher ruhig ausfiel.
4. Tag
Der Tag begann mit der Fortsetzung der Feierlichkeiten des
Vorabends: zum Frühstück fand jeder ein kleines Geschenk auf seinem Platz.
Danach ging es im inzwischen eingespielten Trott zur
Pinguinkolonie, um die Zählung zu Ende zu bringen. Nachdem uns das endlich
gelungen war, schafften wir es sogar noch, das erste Störungsexperiment
durchzuführen.
Wie in den letzten Tagen schafften wir es danach gerade so
zum täglichen Meeting und Abendessen zurück zur Station und fielen k.o. in die
Betten.
5. Tag
Auch der 7. Januar stellte keine Veränderung in unserem
täglichen Ablauf dar: wir liefen zur Pinguinkolonie und beschäftigten uns den
ganzen Tag mit unseren Störungsexperimenten. Leider muss ich feststellen, dass
meine Kamera-Akkus inzwischen doch ziemlich an Leistung verloren haben und wir
somit relativ früh mit den Experimenten aufhören mussten. Die Drohnenakkus
waren zu dem Zeitpunkt jedoch auch schon leer, und wir hatten auch das meiste
unseres Programms geschafft, sodass wir auch mit dem Ergebnis dieses Tages sehr
zufrieden waren, als wir den Rückweg antraten.
Nun waren wir so weit, dass alle
unsere wichtigsten Aufgaben für diese Expedition (Koloniezählung, Befliegung,
Kernprogramm Störung) erledigt waren, und wir somit die nächsten Tage auch bei
weniger guten Wetterbedingungen ganz entspannt angehen können würden.
6. Tag
Der sechste Tag auf der Station begann mit windstille und
traumhaftem Sonnenschein und außerdem noch der Nachricht, dass endlich das Wifi
eingerichtet war. So brachen wir beschwingt und motiviert zu unserem
beschwerlichen Marsch auf, der unter diesen herrlichen Bedingungen gleich viel mehr
Spaß machte. Leider musste wir in der Pinguinkolonie feststellen, dass Osama
die Drohnenfernbedienung vergessen hatte. Trotz verzweifelter aber fruchtloser Versuche,
die Fernbedienung der BBC-Drohne zu verwenden, konnten wir also heute keine
Experimente durchführen. Wir beschäftigten uns noch eine Weile damit,
verschiedene Nestformen zu dokumentieren, die hier aufgrund des vulkanischen
Gesteins teils deutlich anders aussehen als wir das bisher kennen. Außerdem bot
sich so Zeit, eine Weile an der Küste zu sitzen und so tolle Fotos von aus der
Brandung springenden Pinguinen und einem jagenden Seeleoparden zu schießen. Als
wir den Rückweg antraten schien das lange angekündigte Gewitter aufzuziehen,
der Wind nahm deutlich zu und wurde eisiger, und so freuten wir uns, schließlich
die Station zu erreichen.
Heute
Heute war dann endlich der Sturm angekommen. Es wehte heftig
(wenn auch nicht so heftig wie angekündigt) und schneite in dicken Flocken, so
dass wir uns endlich einen Indoortag zum Ausspannen gönnen konnten, und
natürlich um liegen gebliebene Arbeiten (wie gewisse Blogs) zu erledigen.
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