Dienstag, 9. Januar 2018

Ankunft in Gabriel de Castilla und erste Arbeitstage




Liebe Leute, es gibt viel zu berichten.

Wie geplant haben wir in einer sehr Karaoke-lastigen Feier am 31.12. auf der Hespérides den Start des neuen Jahres gefeiert. Es gab, traditionell, 12 Weintrauben, schräge Kostümierungen und jede Menge Schampus (oder Bier).

Entsprechend träge, aber immerhin endlich mit Blick auf Deception Island, begann der 1. Januar. Wir durften aber noch zwei weitere entspannte (und ungeduldige) Tage auf dem Schiff verbringen, bis es am morgen des 3. Januars endlich an Land ging. Bei schönstem Wetter konnten wir uns so lange auf die kommende Umgebung einstellen.



1. Tag auf Deception Island.
Am 3. Januar ging es dann also von Bord. Wir bezogen unsere kleine, gemütliche Station, bestehend aus einem Modul mit 4er-Zimmern (welches ich mit Josabel, einer spanischen Pinguin-Biologin, Abi von BBC und Belén, einer spanischen Vulkanologin teile) und einem Gemeinschaftsbad und in Verbindung dazu einem gemütlichen Gemeinschaftsraum in dem auch gegessen und gekickert wird. Weitere für uns in den nächsten Wochen regelmäßig genutzte Gebäude sind das „Laboratory“, also das Wissenschaftlergebäude, in dem unser gesamtes Equipment lagert, sowie die „Stinke-Tomate“, ein kleines Iglu-Gebäude, in dem unsere Arbeitskleidung hängen wird.

Gleich nachdem die Zimmer bezogen waren und alles seinen Platz gefunden hatte (und ich endlich meine Weihnachtsgeschenke auspacken konnte:

... warf ich mich auch schon in die Arbeitskleidung und begleitete unsere spanischen Kollegen auf ihrer Mission, Skuas, die letztes Jahr mit GLS-Loggern ausgestattet worden waren, zu suchen. Auf unserer etwa 2-stündigen Runde in der Stationsumgebung begegneten uns kaum Tiere, wir fanden nur ein einziges Skuanest (natürlich ohne Logger), und sahen auch sonst kaum Zeichen von Leben. Im Allgemeinen ist hier im Vergleich zu Fildes nur sehr wenig los, einige Skuas, selten Möwen, noch weniger andere Vögel oder Robben. Auch botanisch sind deutliche Unterschiede zu unserem sonstigen Untersuchungsgebiet zu sehen. Aber immerhin hatten die Pflänzchen ja auch erst etwa 40 Jahre seit dem letzten Vulkanausbruch Zeit, sich zu entwickeln. 

2. Tag
Schon am 4. Januar brachen wir früh zur Pinguinkolonie auf und durften das erste mal erleben, was uns nun in den nächsten Wochen nahezu täglich erwarten würde: ein Fußweg von etwa einer Stunde über eine steile Bergkette mit teilweise glatten oder sandig-rutschigen Passagen.

Völlig verschwitzt, da viel zu warm angezogen, wurden wir für unsere Mühen zum ersten mal von einem immer wieder spektakulärem Moment belohnt: hinter der letzten Kuppe taucht plötzlich und mit die völlige Ruhe kontrastierendem ohrenbetäubenden Lärm die Pinguinkolonie vor uns auf.

Dieser Anblick wird uns auch Tage später immer wieder beeindrucken und macht jede Anstrengung vergessen. Aber noch sind die Pinguine nicht erreicht: erst muss noch ein steiler Abhang überwunden werden, teils im Geröll rutschend, teils Serpentinen laufend. Endlich unten angekommen halten wir uns nicht lange auf und beginnen mit der Arbeit. Und tatsächlich schaffen wir es bereits am ersten Tag unseren Kartierungsflug mit der Drohne über der gesamten Kolonie abzuschließen und damit schon das erste Häkchen hinter unsere Liste zu setzen. Danach beginnt die langwierige Arbeit der Bodenzählung. Nach nervenaufreibenden Versuchen, beide GPS-Kartierungsgeräte in Betrieb zu nehmen, beschließen wir schließlich, die Gruppen gemeinsam zu kartieren (einer zählt, während der andere die Gruppe mit dem GPS umläuft), was sich später auch als die bessere Variante herausstellt. So können wir schon am ersten Tag etwa 5.200 Nester und damit schon fast die Größe von Ardley zählen, bevor wir den langen Rückweg zur Station antreten.


3. Tag
Unseren zweiten Feldarbeitstag verbrachten wir damit, die Pinguinzählung fortzusetzen. Besonders die zahlreichen sehr großen Gruppen mit 200 bis 2300 Nestern machen das zu einer sehr anstrengenden und ermüdenden Arbeit. Aufgelockert wurde die Arbeit durch zwei besondere Funde: das Nest eines Macaroni-Pinguins, und damit wahrscheinlich dem Erstnachweis als Brutvogel in dieser Kolonie, sowie das Wiedersehen mit einer unserer Fildes-Skuas, die 2013 auf Ardley gebrütet hat.

Eine weitere Großaufgabe des Tages bestand aus der „Mission BBC“, die unter Mithilfe von 9 Trägern eine LKW-Ladung Equipment über die Berge zur Kolonie brachten. 

Abends erwartete uns dann ein kleines Highlight: das spanische Fest der „heiligen 3 Könige“ – in Spanien traditionell so wichtig wie Weihnachten. Kurz vor dem Abendessen fuhren die 3 (in dem Fall sogar 6…) Könige Süßigkeiten werfend und unter lautem Applaus durch die Station. Danach gab es Abendessen und eine kleine Party, die aber aufgrund der Müdigkeit der meisten Stationsbewohner eher ruhig ausfiel.


4. Tag
Der Tag begann mit der Fortsetzung der Feierlichkeiten des Vorabends: zum Frühstück fand jeder ein kleines Geschenk auf seinem Platz.
Danach ging es im inzwischen eingespielten Trott zur Pinguinkolonie, um die Zählung zu Ende zu bringen. Nachdem uns das endlich gelungen war, schafften wir es sogar noch, das erste Störungsexperiment durchzuführen. 

Wie in den letzten Tagen schafften wir es danach gerade so zum täglichen Meeting und Abendessen zurück zur Station und fielen k.o. in die Betten.

5. Tag
Auch der 7. Januar stellte keine Veränderung in unserem täglichen Ablauf dar: wir liefen zur Pinguinkolonie und beschäftigten uns den ganzen Tag mit unseren Störungsexperimenten. Leider muss ich feststellen, dass meine Kamera-Akkus inzwischen doch ziemlich an Leistung verloren haben und wir somit relativ früh mit den Experimenten aufhören mussten. Die Drohnenakkus waren zu dem Zeitpunkt jedoch auch schon leer, und wir hatten auch das meiste unseres Programms geschafft, sodass wir auch mit dem Ergebnis dieses Tages sehr zufrieden waren, als wir den Rückweg antraten.

Nun waren wir so weit, dass alle unsere wichtigsten Aufgaben für diese Expedition (Koloniezählung, Befliegung, Kernprogramm Störung) erledigt waren, und wir somit die nächsten Tage auch bei weniger guten Wetterbedingungen ganz entspannt angehen können würden.

6. Tag
Der sechste Tag auf der Station begann mit windstille und traumhaftem Sonnenschein und außerdem noch der Nachricht, dass endlich das Wifi eingerichtet war. So brachen wir beschwingt und motiviert zu unserem beschwerlichen Marsch auf, der unter diesen herrlichen Bedingungen gleich viel mehr Spaß machte. Leider musste wir in der Pinguinkolonie feststellen, dass Osama die Drohnenfernbedienung vergessen hatte. Trotz verzweifelter aber fruchtloser Versuche, die Fernbedienung der BBC-Drohne zu verwenden, konnten wir also heute keine Experimente durchführen. Wir beschäftigten uns noch eine Weile damit, verschiedene Nestformen zu dokumentieren, die hier aufgrund des vulkanischen Gesteins teils deutlich anders aussehen als wir das bisher kennen. Außerdem bot sich so Zeit, eine Weile an der Küste zu sitzen und so tolle Fotos von aus der Brandung springenden Pinguinen und einem jagenden Seeleoparden zu schießen. Als wir den Rückweg antraten schien das lange angekündigte Gewitter aufzuziehen, der Wind nahm deutlich zu und wurde eisiger, und so freuten wir uns, schließlich die Station zu erreichen.



Heute
Heute war dann endlich der Sturm angekommen. Es wehte heftig (wenn auch nicht so heftig wie angekündigt) und schneite in dicken Flocken, so dass wir uns endlich einen Indoortag zum Ausspannen gönnen konnten, und natürlich um liegen gebliebene Arbeiten (wie gewisse Blogs) zu erledigen.

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