Nach unserer erfolgreichen Tour zum Punta de la Entrada hatten wir erstmal einen Tag Zwangs"urlaub". Natürlich bei Windstille und Sonnenschein traf uns der Tag des Küchen- und Putzdienstes. Und wer den "Deschurnii" der Russen kennt, sollte sich jetzt kein falsches Bild machen. Hier ist man damit zu zweit nahezu den ganzen Tag voll ausgelastet. Nicht nur, dass man eine Dreiviertelstunde eher aufstehen muss (was für zwei Frühaufsteher wie uns natürlich kein Problem ist...), um den Tisch für alle zu decken, Brot zu toasten, Kaffee zu kochen und schließlich um 8 die ganze Station mit Musik zu wecken - für den weiteren Tag stehen auch das Putzen des gesamten Gebäudes inklusive Klos und Duschen, der Schlafzimmer und des Essens-und Gemeinschaftsraumes an. Auch zu Mittag- und Abendessen muss von den "Marias" der Tisch gedeckt und danach auch abgeräumt werden, natürlich das Geschirr von 30 Leuten plus Kochutensilien abgewaschen werden, und während der Mahlzeiten steht man quasi als Bedienung für alle Wünsche bereit. Als wäre das alles noch nicht genug, haben wir auch noch beschlossen, unser ursprünglich geplantes Weihnachten an diesem Tag nachzuholen und Plätzchen für die gesamte Station zu backen. Der Aufwand hat sich aber gelohnt, alle waren super begeistert. Nach Beendigung unserer Schicht (ich habe noch bis nachts 1 Uhr auf die BBC-Leute gewartet, die spät von ihrem Drehtag zurück kamen, um ihnen ihr Essen warm zu machen) fielen wir dann auch völlig fertig in die Kissen und freuten uns darauf, am nächsten Tag wieder entspannte Feldarbeit vor uns zu haben 😉
Punta de la Entrada II
Am morgen des 15.1. lief unser Transportschiff, die Hespérides, mit einigen weiteren Wissenschaftlern und einer riesigen Ladung Verpflegung inklusive (endlich!) Salat und Gemüse in der Bucht ein. Daher halfen wir den ganzen Vormittag, Kisten ins Kühlhaus zu schleppen und einzuräumen.
Für den Nachmittag hatten wir noch einmal beschlossen, uns an der südlichen Kolonie am Punta de la Entrada zu versuchen. Diesmal ließen wir uns per Zodiak zum Strand am Eingang zur Insel bringen.
Von hier ging es einen Hang nach oben auf den höchsten Punkt, von wo aus wir hofften, in Richtung Zielkolonie starten zu können.
Leider bließ entlang des Kammes ein starker Wind, so dass starten hier nicht möglich war. Wir beschlossen daher, auf der anderen Seite wieder Richtung Küste zu klettern, was schon deutlich beschwerlich wurde, um dort im Windschatten zu starten.
Nachdem wir den Abstieg geschafft hatten, fanden wir auch einen guten Platz zum Starten.
Natürlich fing es genau in dem Moment, als wir endlich startklar waren, an zu regnen. Kaum war die Drohne in der Luft, bekamen wir auch noch den Funkspruch von unserem Rückfahrzodiak, dass sie jetzt am Strand seien und wir uns doch bitte beeilen sollten, da die Wetterbedingungen sich rasant verschlechterten. In aller Eile beendeten wir trotzdem unserern Flug in der Hoffnung, dass die Bilder trotz Regens verwendbar sein würden, und rannten dann regelrecht den (immernoch sehr unwegsamen, brüchigen und rutschigen) Hang hinauf und auf der anderen Seite hinunter. Die Rückfahrt wurde dann auch ziemlich ungemütlich, mehrere Male flogen wir über die Wellen und wurden ganz schön auf dem Zodiak herumgeschleudert. Zum Glück kamen wir trotzdem gut und sicher an.
Am Punta de la Entrada konnten wir auch noch einige neue Beobachtungen machen. Zuerst fielen uns verdächte, nach Kapsturmvogelbrutplätzen aussehende Höhlen im Gestein auf. Das wunderte uns etwas, da wir bisher noch nicht einen Kapsturmvogel auf der Insel gesehen hatten. Doch genau in dem Moment kam auch schon einer um die Ecke geflogen und bestätigte unsere Vermutung. Später sollten wir dann noch einen ganzen Schwarm von etwa 20-30 Tieren sehen. An unserem Startplatz bekamen wir außerdem endlich Besuch von einer lang vermissten Art: ein Scheidenschnabel lief neugierig um uns und unser Equipment herum.
Von der Kolonie aus fand ich mit dem Fernglas außerdem einen vermutlichen Kormoran-Brutplatz.
Am Dienstag ging es dann nach fast einer Woche mal wieder in unsere Standard-Kolonie. Wir beschäftigten uns den ganzen Tag sehr erfolgreich mit meinen Störungsexperimenten und konnten eine ganze Menge Daten gewinnen, so dass wir auch zu diesem Thema inzwischen einen sehr guten Datensatz haben.
Baily Head
Am Mittwoch klappte dann endlich eine lang geplante Tour: wir wurden zur Whalers Bay gefahren, um von dort aus nach Baily Head zu wandern. Ausgestattet mit Eispickel und Steigeisen machten wir uns auf den etwa 2stündigen Fußweg zur Kolonie über Bergkämme und vereiste Schneefelder. Es war ein langer, anstrengender, aber auch landschaftlich wunderschöner Marsch, auf dem wir vom Stationschef und unserem Stations-Bergführer begleitet wurden.
Etwa gegen 12 erreichten wir die Kolonie und begannen schnellstmöglich die Flüge, da es gerade absolut windstill und klar war und für später starker Wind angesagt wurde. Die Kolonie gestaltete sich als nicht ganz einfach, da es starke Höhenunterschiede innerhalb der Gruppen gibt, und man daher um eine ausreichende Abdeckung und Auflösung zu erhalten in verschiedenen Flughöhen je nach Terrain fliegen muss.
Nach etwa 5 Stunden, die wir mit Suchen nach guten Start- und Landeplätzen, fleißigem Fliegen, und auch etwas Fotoshooting verbrachten, mussten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg machen, um zum vereinbarten Zeitpunkt am Strand zu sein und unser Taxi zurück zur Station zu treffen. Auf dem Weg zurück durfte ich noch Erfahrung mit der Stolper-Anfälligkeit der Steigeisen machen und legte eine Landung auf mein Knie hin, das daraufhin mit der folgenden 1-stündigen Abwärtswanderung nicht mehr ganz einverstanden war. Aber heute, mit einem Tag Erholung, kann ich versichern: es ist alles in Ordnung und ich habe mir dabei nix längerfristiges getan.
Das Wetter zog auch tatsächlich wie angekündigt deutlich zu, immer wieder quollen bedrohliche Nebelschwaden über die Bergketten. Doch zum Glück blieb es, auch wenn der Rückweg schon deutlich ungemütlicher wurde, bis zum Schluss stabil und wir wurden immer wieder von toller Landschaft in spektakulären Lichtspielen, wenn die Sonne zwischen den tiefen Wolkendecken hervorkam, begeistert.
Am Strand angekommen blieb uns nicht einmal mehr Zeit, endlich unser Lunchpaket zu uns zu nehmen und die Whalers Bay zu erkunden, da tauchte auch schon das Zodiak auf.
Wir schmissen uns in unsere Überlebensanzüge und stiegen an Bord, und los ging die Fahrt Richtung Station...allerdings nur wenige Meter, dann war der Motor aus. Nach einigen Funksprüchen wurde eine Lösung gefunden, und wir fuhren weiter, bis wir die Mitte der Bucht erreichten. Hier versagte der Motor erneut, diesmal entgültig, und ließ uns antriebslos auf den Wellen treiben. Wir waren sehr froh, dass das Wetter noch hielt und es zumindest nicht allzu windig war. Nach einem Hilferuf an die Station kam nach einer ganzen Weile, in der es durchaus etwas kalt wurde, ein zweites Zodiak und eskortierte uns und unseren (durch die geübten Hände unserer Fahrer) zumindest wieder tuckernden schwimmenden Untersatz zurück zur Station, wo wir sehr froh waren, wieder Fuß an Land setzen zu können.
Nach diesem kleinen Abendteuer genossen wir unser Abendessen - es gab superleckere Burger - und gingen beizeiten schlafen.
Heute nahmen wir uns dann trotz nicht allzu schlechten Wetters eine Auszeit, zum einen um meinem Knie die Chance zu geben, sich zu erholen, und zum anderen, um einiges an - wieder mal - liegen gebliebener Datenarbeit zu erledigen. Ein Tagesziel ist auch, die Ninox (also eine weitere Drohne für Langstreckenerkundungen) heute startklar zu bekommen, um dann demnächst zu noch weiteren Zielen aufbrechen zu können!
So, und bevor ihr jetzt alle anfangt fleißig Kommentare dazulassen (über die ich mich übrigens sehr gefreut habe, vielen Dank! 😊), gibt es rechts auf der Seite noch zwei Links, auf die ich euch gerne hinweisen möchte: der erste betrifft eine Aktion einiger Stationsmitglieder, bei der man seinen eigenen Pinguin adoptieren kann. Damit wird Aufmerksamkeit und, falls gewünscht, auch Geld für eine spanische Krebsstiftung (soweit ich das verstanden habe...), gesammelt. Oben rechts kann man die Seite auch auf englisch umstellen 😉.
Der zweite Link führt zu einem Youtube-Video, in dem etwas zur Geschichte der Insel erzählt wird, und das sehr sehenswert ist!
Und damit verabschiede ich mich fürs erst wieder und wünsche euch eine schöne Zeit, und dass ihr den Sturm alle schadens- und verletzungsfrei überstanden habt!



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